Die Dolomiten reizten...

  • Drucken



Auch in diesem Jahr war die Radler-Gruppe des Tennisclubs wieder unterwegs und suchte die ganz große sportliche Herausforderung. Es fiel das magische Wort „Sella Ronda“, gelegen in den wunderschönen Dolomiten in Südtirol. Guide Charly Schurz hatte sich wieder etwas ganz Besonderes für den Trip in die Berge ausgedacht, seine Frau Sigrid buchte ein hübsches Quartier in Wolkenstein im Grödner Tal, oberhalb der Stadt direkt am Waldrand.

Mit voller Vorfreude reisten die Rothenburger mit mehreren Pkw ins sonnige Südtirol. Neben dem Stammradlern Charly Schurz, Thilo Hatz, Rolf Reich und Erich Kleinschrot begleitete die Gruppe zum ersten Mal Reinhard Schmidt, der mit den Hobbysportlern immer dienstags die Rothenburger Umgebung erkundet.

Nach der Ankunft in Wolkenstein rollte die Gruppe ohne viel Umschweife zum „Warmfahren“ in Richtung „Sella-Stock“. Nach etwa 6 km bergwärts begann der Einstieg in den Rundweg und die Rothenburger erklommen das Sella-Joch, das sie am nächsten Tag aus der anderen Richtung hochfahren wollten. Die Serpentinen gaben einen sagenhaften Blick auf den von der Nachmittagssonne in gleißendes Licht getauchten 3181 hohen Langkofel frei. Nach kommoden 6 Kilometern war der Gipfel erreicht und die Franken ließen die grandiose Bergwelt in Südtirol bei einer Rast auf sie einwirken. Bei bestem Wetter freuten sie sich nach dem anregenden Vorgeschmack auf die Fahrt im Uhrzeigersinn rund um den Sella-Stock am nächsten Tag.

Bei der anschließenden Abfahrt nach Wolkenstein gab es die erste knifflige Situation. In einer Spitzkehre steckte ein Bus fest, es bildete sich talabwärts ein Stau. Die Radler steuerten in flotter Abfahrt um die davor gelegene Kehre und hatten plötzlich die stehenden Fahrzeuge vor sich. Dies zwang sie zu einer heftigen Notbremsung bis zum Stillstand, die alle jedoch, wenn auch knapp, ohne Schäden meisterten.

Beim abendlichen Menü im Hotel zeigte sich schnell, dass der Koch sein Handwerk bestens verstand, so dass das Auffüllen der Depots im Körper auf das Vorzüglichste mundete.

Bei noch angenehmer Kühle ging es am nächsten Morgen gegen 09.00 Uhr in Wolkenstein auf etwa 1500 Metern Höhe los. Die Radler schlängelten sich die 6 Kilometer bis zum Einstieg in die Runde den Berg hoch und bogen nach links ab in Richtung Grödner Joch. Da an diesem Tag vier solcher Pässe warteten, galt es, seine Kräfte vorausschauend einzuteilen. Nach angenehm zu fahrenden Kehren um die 9 Prozent Steigung erreichte man den ersten Pass. Die anschließende Abfahrt bei strahlendem Sonnenschein auf teils neu geteerten Fahrbahnen war Genuss pur!


In der Talsohle genehmigten sich die ambitionierten Sportler eine erste Stärkung auf einer Sonnenterrasse, bevor sie sich den vermeintlich „leichtesten“ der vier Pässe, den Campolongo, hochschraubten. Nach etwa 11 Kilometern bei 7 Prozent Steigung war der Gipfel erreicht und nach der fliegenden Abfahrt bei weiter herrlichem Wetter wartete der Padoja-Pass, der sich auf 2239 Höhe hochzieht.


Bei sengender Sonne waren die Kehren nach oben doch recht beschwerlich, die grandiose Bergwelt der Dolomiten mit den einzigartigen Farbnuancen im Fels, wenn sich die Sonne darin verliert, entschädigte jedoch für die Mühen.


Nach 600 Höhenmetern und dem Gipfelfoto auf dem Padoja folgte wieder eine atemberaubende Abfahrt, bei der beinahe ein Malheur passiert wäre. Thilo bemerkte zum Glück rechtzeitig die Abzweigung zum letzten Pass, dem Sella-Joch, bevor die Gruppe weiter mehrere Kilometer ins Tal gebraust wäre. Dies hätte bedeutet, die ganze Strecke von über 5 Kilometern wieder den Berg hochfahren zu müssen.

Vor dem Anstieg gab es nochmal eine ausgiebige Stärkung auf der Sonnenterrasse eines Lokals in der Nähe des Denkmals der italienischen Rennfahrerlegende Fausto Coppi und die Trinkvorräte wurden aufgefüllt.


Erich stimmte hoffnungsfroh, dass Charly, Thilo und Rolf über nahende Krämpfe in Wadeln und Beinen schwadronierten. Die vage Hoffnung, sie würden es im letzten Anstieg etwas gemütlicher angehen und Erich könnte dranbleiben, zerschlug sich schon nach den ersten Kurven. Sie spulten ihr Tempo runter und zogen die immer steiler werdenden Kehren hoch. Nach einigen Kilometern waren sie in einer langen Geraden außer Sichtweite und Erich schlug sich in die Büsche zur dringend notwendigen Pause. Nach einigen Minuten sah er Thilo mit seinem knallgelben Shirt und Reinhard sorgenvoll die Gerade runter schauen – wo bleibt er denn, was ist mit ihm, was hat er denn? Gerade als sie Reinhard als Scout losschicken wollten, kam Erich aus den Büschen und gemeinsam packten sie den Rest der Strecke an. Es dauerte nicht lange, und die Spitzengruppe war wieder nach vorne entwischt. Sogar ein Murmeltier im Geröll zeigte sich neben Erich auf den Hinterfüßen stehend. Zuerst dachte er, es pfeife ihm nach, dann merkte er, die Pfiffe bedeuteten „Hopp Alter, mach!“


Mit den letzten Körnern erreichte Erich den Sella-Gipfel auf einer Höhe von 2244 Metern. Als er seine Mitfahrer dort sah, war er einigermaßen beruhigt, da auch sie – bis auf Reinhard – relativ fertig ausschauten und der Schweiß in Strömen floss.


In luftiger Höhe war es doch kühl und die Gruppe entschloss sich in den durchgeschwitzten Klamotten zur sofortigen Abfahrt, da zudem die Wolken dichter wurden.


Nach einer grandiosen, etwa 12 Kilometern langen Abfahrt nach Wolkenstein begann es auf den letzten Metern zu tröpfeln. Als die Rothenburger kurz darauf in der Sauna und dem Whirlpool die müden Muskeln entspannten, goss es wie aus Kübeln! Das Timing mit der Abkühlung von oben hätte nach etwa 8 Stunden, sie bei besten Bedingungen unterwegs waren, nicht besser sein können. Beim abendlichen Menü zeigte der Koch, dass er am Vortag keinen Zufallstreffer gelandet hatte.

Der dritte Tag führte ins Gebiet des Marmolata-Gletschers. Mit den Autos ging es von Wolkenstein nach Canazei, wo der Abschlussberg, der Fedaia-Pass, wartete. Über 639 Höhenmeter und einer Länge von 14 km zogen sich die Kehren bis auf die Passhöhe von 2057 Metern. Die Sonne blinzelte häufig durch die Wolken und gab einen fantastischen Blick auf den Gletscher der Marmolata frei, der bläulich aus einer Höhe von 3345 Meter herunter schimmerte.


Nach einer Umrundung des imposanten Stausees mit der 60 Meter hohen Staumauer und der fliegenden Abfahrt, bei der kaum Bremsen nötig war, statteten die Rothenburger dem Heimatfest der Südtiroler in Canazei einen Besuch ab. Bevor sie mit den Fahrzeugen wieder nach Wolkenstein zurückfuhren, probierten sie verschiedene Köstlichkeiten der Einheimischen. Besonders die „Strauben“, ein Mehlteig wird in flüssiges Fett durch den Straubentrichter gedrückt, mundeten vorzüglich.
 Die tägliche Entspannung im Pool und der Sauna durfte nicht fehlen, der Meisterkoch übertraf sich noch einmal ein seiner Küche und zauberte ein geniales Menü.

Am Rückreisetag übernahm Erich den Transport des Pkw, da er der "Fertigste" war. Mit Anja und Sigi und ihren jeweiligen Karossen schlichen sie durch das stark befahrene Grödner Tal Richtung Bozen. Die Eisenharten starteten morgens in Wolkenstein bei ca. 6 Grad mit ihren Rädern, die Scheiben an den Autos waren fast hoch gefroren.
Ziel war der Kalterer See, dort erwarteten Anja, Sigi und Erich angenehme Badetemperaturen von knapp 30 Grad und strahlende Sonne in herrlichem Wasser.

Die Jungs zogen ihre Schutzkleidung bald aus, die etwa 40 Kilometer von Wolkenstein nur bergab durch das Grödnertal vorbei an Bozen waren ein Genuss. Mit jedem Kilometer wurde es wärmer, die Hügel in den Weinbergen um den Kalterer See flogen nur so an ihnen vorbei.
Nur Charly wäre fast in die Gilde der Rittersleut aufgenommen worden. Beim Umstieg von der Straße auf den tieferliegenden Radweg vor Bozen galt es, die Räder zu schultern und den Hang runter zu rutschen. An einem Balken stand ein einziger Nagel vor, den visierte er an – zu Charlys  Erleichterung wurde nur die Hose zwischen den Beinen aufgerissen und der Knabenchor blieb ihm erspart!!!

Nach etwa 60 absolvierten Kilometern nahmen auch sie die Abkühlung im klaren Wasser des Sees dankend an.

Mit der Erinnerung an ein klasse Wochenende und mit unvergesslichen Eindrücken im Gepäck fuhr die Gruppe gen Heimat Richtung Norden.

Gut drauf: Die Radler des TC Rothenburg.

Bei herrlichem Wetter beeindruckte die südtiroler Bergwelt.